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Heimcomputer, Bürocomputer, Arbeitscomputer
#1
Das Thema ging mir die Tage durch den Kopf, hier mal ein kleiner Ausflug zurück in die 70er und 80er Jahre...

Im vierten Jahr meiner Grundschulzeit, im Jahr 1980, machten wir einen Besuch bei einer Zeitung. Wir durften quasi von der Redaktionsebene bis hin zum Druck alle Schritte in der Entstehung des aktuellen Blatts erleben. Die Rechner, die dort damals im Einsatz waren, sind mir in Erinnerung geblieben. Es waren IBM-Terminals mit Bernsteinmonitoren. Auf den Rechnern lief eine Textverarbeitung, allerdings noch völlig ohne WYSIWYG ("What You See Is What You Get"). Und die eine Dame, die ich damals neugierig nach der Software fragte, hatte auch keine Ahnung. Obwohl sie damit den ganzen Tag arbeiten musste.

Mit der Anschaffung eines Computers für zuhause stellte sich natürlich auch die Frage, wofür das Ding?

War man früh bei den Heimcomputern eingestiegen und mit wenig Geld, gab es Anfang der 80er Jahre nur den Sinclair ZX 81. Kurz darauf bekam man u.U. schon den heruntergepreisten VC-20 und um den Dreh dann auch (vielleicht) den ZX Spectrum. Letzterer war allerdings nie so ein Hit wie z.B. in Grossbritannien.

Mit mehr Geld bekam man schon eine ganze Reihe an Möglichkeiten. Die ersten IBM-Rechner (noch lange nicht standardisiert) waren (und blieben) extrem teuer und wirklich nur für den gewerblichen Einsatz sinnvoll und erschwinglich. Dasselbe galt auch für den Commodore PET (in allen Ausführungen bis hin zum 8080), der zwar viel im Bildungsbereich zum Einsatz kam (für BASIC und FORTRAN z.B.), aber preismässig immer noch jenseits von Gut und Böse lag. Apple's Maschine, der II und später IIE, versuchten sich zwar auch mehr in Richtung IBM zu orientieren, aber kosteten immerhin nicht die Welt. Allerdings waren ihre Einsatzmöglichkeiten dafür in manchen Bereichen eingeschränkter. Andere Kisten, wie z.B. der TSR-80 waren bei uns eher Exoten, trotz des relativ frühen Einstiegs in den europäischen Markt (schon ab 1981). Da hing's dann weniger am Preis sondern mehr an der Verfügbarkeit insgesamt.

Proprietär waren diese Systeme anfangs sowieso alle, was schliesslich mit CPM auf einer Ebene durchbrochen wurde. Das gab's für sehr viele Rechner, allerdings waren häufig die Diskettenformate nicht kompatibel. Gerade Apple fiel da unangenehm auf. Sämtliche professionellen IBM-Geschichten blieben aber prinzipiell nur etwas für die Maschinen von dieser Firma.

Ein bisschen "nebendran" lagen Anfang der 80er Jahre die zwei Rechner von Atari. Der Firma hing dank der Spielekonsole ein eher Negativimage an, auch wenn der Atari 800 z.B. in vielen Hinsichen dem Apple II spürbar überlegen war. Auch qualitativ. Dummerweise wurde dann aber nichts an relevanter Software dorthin portiert um die Maschine auch für Gewerbetreibende interessanter zu machen. Erst als der Heimcomputermarkt richtig stark wurde, bekamen die Ataris eine zweite Change - deutlich günstiger und modernisiert mit der XL-Reihe. Und dann kam auch schon die erste Pleite...

Mit der nächsten Generation kamen dann Rechner wie der C64, der Ti99(4A) und Exoten wie der Coleco Adam. Die trumpften dann aber insgesamt eher als Spielegeräte oder "für Anfänger". Der C64 war das Paradebeispiel, da das exzellente Basic mit mageren 38KB an RAM auskommen musste. Und RAM-Erweiterungen waren zwar möglich aber wirklich teuer. Und selten. CPM per Diskette gab es dafür auch, aber im Vergleich zu den "ernsthaften" Systemen spielt das dort keine Rolle. Gewerblich genutzt wurde der Rechner dank Firmen wie Data Becker und Vizawrite aber dennoch. Denn der Preis, Ausstattung und die akzeptable Tastatur garantierten eine entsprechende Nachfrage. Allerdings musste alles an notwendiger Hardware (Disk Drive, Drucker, Görlitz-Interface usw.) teuer nachgerüstet werden. Das ging auch anders wie im nächsten Beispiel!

Ein Exot mit erstaunlichen Möglichkeiten war der Coleco Adam. Eine feine Maschine, die als zum Vollrechner erweiterbare Spielekonsole (!) angefangen hatte (Coleco -> Connecticut Leather Corporation) und für die damalige Zeit auch exzellent ausgestattet war. Der Adam wurde in einem "Vollpaket" mit Drucker und Kassettenlaufwerk geliefert (der Drucker diente dem System auch als Netzteil). Man konnte dank der richtigen, komplett integrierten Software, quasi sofort mit der Arbeit beginnen. Das machte ihn allerdings insgesamt teuer und dank viel zu wenig Werbung (und wenig Unterstützung bei uns) auch nur sehr wenig verkauft. (Ich hatte da das persönliche Glück, dass unsere Nachbarn so einen für ihr Schreibbüro hatten. Ein cooles Teil!)

Die Profis von Texas Instruments wiederum kamen im Vergleich zu den anderen Firmen erst spät auf den Markt. Prinzipiell zwar nicht zu spät, denn der Rechner konnte immerhin schon die erste 16bit-CPU aufweisen. Aber dummerweise war die Firma durch die endlosen Urheberrechtsprozesse der 70er Jahre (auch und gerade dank Jack Tramiels rabiater Methoden) so paranoid geworden, dass sie die Entwicklung für die Maschine streng an sich allein banden. Und damit komplett neben der Marktentwicklung lagen. Der Rechner wurde so zum Ladenhüter und war dann auch schnell weg vom Fenster. Schade.

Die restlichen Maschinen (Color Genie, Dragon 32 usw.) waren oft nur Ableger oder mit der heissen Nadel gestrickte Kleinrechner. Viele von denen wurden bei uns gar nicht gekauft und das oft schon deshalb, weil man sie nur per Versand bekam - WENN überhaupt. Den Color Genie habe ich immerhin mal erleben dürfen, aber überzeugt hat er mich in dem Laden nicht. Was vielleicht auch an dem Sauertopf von Händler (der Onkel eines Schulkameraden) lag. Der Laden war dann auch schnell wieder weg...

Die besser ausgestatteten Schulen hatten Ende der 70er viel PETs im Einsatz. Ich erinnere mich noch wie 1984 die letzten bei uns rausflogen und durch C64 ersetzt wurden. BASIC ging damit, FORTRAN auch (per Diskette) und CPM gab's nur in einer "AG" (Arbeitsgruppe). Später kamen dann IBM-PCs, aber das war schon lange nach meiner Zeit dort.

Für uns als "Heimanwender" (klingt wie Heiminsassen) stand je nach Alter und Interessen immer klar fest, welches System wir wollten. Die Elektroschrauber liebten z.B. den sehr kargen ZX-81, den es schon bald spottbillig gab und mit dem man vor allem Steuerungen usw. realisierte. BASIC-Programmieren war bei dem Ding mit der RAM-Erweiterung zwar möglich, aber das hörte mit den nächsten Rechnern dann schnell auf. Den letzten habe ich damals vielleicht 1985 in der freien Wildbahn gesehen.

Der Spectrum hingegen bekam nie einen Fuss bei uns auf dem Boden. Es fehlte die Vermarktung von Sinclair auf dem Kontinent, die stetige Versorgung mit sehr günstiger Software wie in Grossbritannien UND... der Preis. Der des C64 fiel bei uns nämlich sehr schnell, während es in Grossbritannien (wie üblich) noch lange zu teuer blieb. Und der C64 war schlicht und ergreifend der bessere Rechner.

Der Ti99/4A hatte eine treue Anwendergemeinde, da das Gerät von Texas Instruments sehr schnell sehr günstig verramscht wurde. Als die Firma den Support dann allerdings auch kappte, war es ganz vorbei. Zum Spielen schaffte man sich diesen Rechner sowieso nicht an.

Atari 400/800 und Apple II waren auch eher selten bei den Heimanwendern anzutreffen. Für die ersteren zwei fehlte es oft an Händlern in der Region und die Firma Atari war in Europa auch keine Genie bei der Vermarktung. Und Apple setzte schon prinzipiell mehr auf eine wohlbetuchte Mittelschicht. Vor allem der geniale IIC (Compact) war mehr ein Lifestyle-Gerät als ein praktischer Arbeitsrechner. Auch wenn er durchaus auch dafür eingesetzt wurde. Der III war zuviel des Guten (Gehäuse) und zuwenig des Richtigen (Lüfter und Kühler für die Abwärme!) und zementierte den Verkauf des IIE nur um Jahre. Und der ambitionierte Apple Liza war eine Totgeburt, da die Apfelfirma da 1983 anscheinend einen Wurm im Hirn hatte. Denn die Software war dank Kopierschutz wirklich sklavisch an jeweils EINEN Rechner gebunden und nur Apple durfte überhaupt dafür entwickeln. Teuer war das Ding auch noch exzessiv.

Die absolute Mehrheit der jungen Anwender tendierte klar zu einem Gerät zum Spielen. Mit günstiger (oder kopierter) Software. Und das war der wesentliche Vorteil des C64 bei uns. Die XL-Ataris konnten davon auch (noch) profitieren, allerdings ruinierte die Pleite der Firma eine bessere Marktentwicklung und viele Händler nahmen danach die Rechner komplett aus dem Sortiment. Erst als Jack Tramiel die Firma kaufte und die ST-Serie produzieren liess, konnte die Firma wieder wesentlich bei den Konsumenten punkten. Wenn auch (meistens) nur auf dem zweiten Platz nach Commodore...

Die "späten" 8-Biter (denn weiter wie Ende 1984 will ich jetzt nicht gehen, mir geht's um den persönlichen Bezug) waren dann oft Maschinen von Schneider/Amstrad, die oft nur durch gutes Preis/Leistungsverhältnis zu überzeugen wussten. Und die Firma war auch klug genug die Versorgung mit Software so optimal und günstig wie möglich zu gestalten. Zum Spielen waren die nicht schlecht, zum Arbeiten dank der etwas besseren Tastatur vielleicht auch. Aber den C64 konnte das nicht (mehr) vom Thron stossen.

Daheim sehr erfolgreiche Exoten wie z.B. die britischen BBC-Rechner bekam man bei uns da schon gar nicht mehr zu Gesicht. Die Acorn-Rechner - später - allerdings schon.

Und 1985 kam der Amiga...
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Heimcomputer, Bürocomputer, Arbeitscomputer - von ScoreAddict - 12.05.2022, 18:04

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